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Region Süd » Kirche St. Nikolaus in Lichtenhain
Die früheste Erwähnung des Ortes Lichtenhain findet sich in einer Urkunde vom September 1223, sie benennt Dietrich von Lichtenhain aus dem Geschlecht der Herren von Lichtenhain. Das Rittergeschlecht taucht in den folgenden Jahrhunderten an verschiedenen Orten Thüringens auf, ein Hinweis auf die starke Verzweigung der Linie. Im Jahr 1501 verlagerte sich der Stammsitz - bedingt durch den Tod Dietrichs des Älteren - von Lichtenhain nach Schöngleina. 1655 erlosch die Linie Lichtenhain, der letzte Vertreter der Familie starb wahrscheinlich 1798.
An welcher Stelle sich im heutigen Ort deren Burg befand, ist nicht mehr eindeutig nachzuweisen, möglicherweise in der Nähe des Kirchbergs, bei Grabungen wurden Reste einer befestigten Anlage entdeckt.
Das Wappen der Herren von Lichtenhain - Kammrad, mit einer vierseitigen Öffnung in der Mitte - befindet sich auf einem Epitaph Dietrichs von Lichtenhain in der Dominikanerkirche in Erfurt. Die Familie besaß seit dem 13. Jahrhundert eine enge Bindung zum Dominikaner- bzw. Zisterzienserinnenorden, Angehörige der Familie lebten als Dominikanermönche in den Klöstern von Jena, Erfurt und Bosau. 1471 wird Elisabeth von Lichtenhain als Äbtissin des Michaelklosters in Jena benannt. Ebenso gehörten Vertreter dieser Linie zum Deutschritterorden. Ein weiteres Wappen ist noch auf dem Familiengrabstein in der Pfarrkirche Schöngleina erhalten. Bei dem Kammrad des Wappens handelt es sich sehr wahrscheinlich um die Darstellung eines Waidsteins einer Waidmühle. Färberwaid diente im Mittelalter als Farbstoff und war eine wichtige Grundlage zur Textilherstellung. Waid wurde auch in der Gegend um Lichtenhain angebaut, wo sich eine Waidmühle befand.
Der Ortsname von Lichtenhain ist in vielfältiger Weise überliefert, so unter anderem als: Lichtenhayn, Lichtinhain, Lychtenhayn, Lychthayn, Lychtenhain, Liechtenhain, Lichtinhain, Luchtenhayn oder Luchtinhain. Zurückzuführen ist die Bedeutung des Namens auf ein gerodetes oder gelichtetes Waldstück. Aus der älteren Form -hagen, -han oder -hain, welches das Wort hegen bzw. beschützen beinhaltet - also gerodetes Waldstück gehegt oder umzäunt gegen Angriffe - ist der Name abzuleiten. Diese ab dem 12. Jahrhundert mehrfach auftretenden Ortsnamen mit der Endung -hagen bzw. -hain lösten die ältere Bezeichnung der Ortsnamen auf -rode ab. Sehr wahrscheinlich könnte demzufolge die Ortsgründung auf das 12. Jahrhundert zurückzuführen sein, auch die noch erhaltenen romanischen Reste der Kirche St. Nikolai gehen auf diese Zeit zurück.
Die evangelische Pfarrkirche St. Nikolaus in Lichtenhain diente als Wehrkirche - als Zufluchtsort und zur Verteidigung - dem entspricht ihr wehrhafter Turm im Westen mit Walmdach, ihre Lage am Hang hoch über dem Flusstal und die Umfassungsmauer der Anlage mit Schießscharten. Dem Hang entströmt eine Quelle, so war es möglich, am Berg, im Süden, einen Wassergraben durch Anstauung zu schaffen, im Osten befand sich der Dorfteich, zu den beiden anderen Seiten fällt Terrain steil ab. Es handelt sich um eine Saalkirche mit einem hohen Satteldach. Ihr Äußeres wird von Bauteilen aus verschiedenen Epochen geprägt: romanische Reste der westlichen Hälfte des Langhauses ohne das Treppenhaus, frühgotische Bauteile aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, vier starke Strebepfeiler, um die am Abhang stehende Nordmauer abzustützen. Aus der Bauphase um 1500 stammt die Sakristei an der Nordseite des Chores und zwei Fenster, eine Inschrift zeigt die Jahreszahl 1506.
Die Nordwand des Langhauses, zwischen beiden Strebepfeilern, von ist von einem Freskenzyklus - 66 Felder auf einer Fläche von 3,80 m x 6,00 m - überzogen. Er stammt aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts, um 1420, und stellt Szenen aus dem Alten und Neuen Testament dar. Möglicherweise wurden diese Fresken von den Herren zu Lichtenhain gestiftet, zu ihrem Seelenheil aber auch dazu, um den Bewohnern des Ortes und Besuchern der Kirche in bildlicher Form das Heilsgeschehen vorzuführen.
Eine Renovierung der Kirche erfolgte im Jahr 1895.
Ausstattung
- GLOCKEN: 1696 bzw. 1771 für die Kirche aus der Glockengießerei J. Rose in Volkstedt 1801 und aus der Glockengießerei der Gebrüder Ulrich aus Apolda
- Barocker ALTAR, 1723 errichtet
- ORGEL 1881 in Höhe von 2.350 Mark geworben