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Region Göschwitz-Rothenstein » Kirche St. Nikolaus in Leutra

Im Jahr 1348 wurde Leutra erstmals urkundlich als Liutdraha genannt. Der Name könnte von lauterem Wasser abgeleitet sein, das entspräche dem Bächlein, welches entlang des Leutratals fließt.

Kirche in Leutra

Die evangelische Fialkirche St. Nikolaus wurde im 12. Jahrhundert als Fial der Kirche von Maua erbaut. Die Kirche umgab ursprünglich eine Wehrmauer mit vier halbrunden Ecktürmen, von dieser sind noch vereinzelte Mauerreste vorhanden, sie sind heute jedoch stark eingesunken wie auch der Stumpf des südöstlichen Turms. Der Südwestturm wurde 1869 beseitigt.

An das einschiffige Langhaus fügt sich ein leicht eingezogener längsrechteckiger Chor aus dem 12. Jahrhundert an. Er wurde wahrscheinlich in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts als vierstöckiger, rechteckiger Wehrturm mit Walmdach - ohne Zwischengliederung - aufgestockt. Der Turm ist in Quadermauerwerk ausgeführt und besitzt statt der Fenster einfache Schlitze, die seine Wehrhaftigkeit unterstreichen. Nur im oberen Geschoss sind sie als spitzbogige Biforien ausgeführt.

An der Ostseite des Chores wurde die ursprüngliche Dreifensteranlage - ein spitzbogiges Lanzettfenster flankiert von zwei kleineren - beseitigt. Die Steine der Solbänke sind noch sichtbar. In Umrissen ist auch das rechte Fenster erkennbar, das mittlere und linke wurde zu einem breiteren Rundbogenfenster zusammengefasst. Über diesem befindet sich eine Öffnung in Form eines Elfpasses, wodurch der Lichteinfall in die Kirche gewährt wird. Die Zahl elf könnte möglicherweise auf die Apostel (ohne Judas) verweisen.

Das auffallend kurze Kirchenschiff betritt man von Süden durch eine schmale und niedrige romanische Rundbogentür mit Türblatt und gotischen Zierbeschlägen aus Eisen. An der Tür sind Armbrust, Schwert und eine Kugel ins Gewände gemeißelt, als Zeichen der Wehrhaftigkeit dieser Anlage. Über der Südtür befindet sich ein Kopf mit einem Wasserstein, eine Darstellung des heiligen Nikolaus, dem die Kirche geweiht ist. Die Wände des Langhauses werden zu jeder Seite von zwei Fenstern durchbrochen.

Elfpaß

In den Jahren 1716 und 1791 - Inschriften finden sich dazu an der West- und Südseite der Kirche - erfuhr das Gotteshaus Umbauten und eine Neufassung im Inneren. Das Schiff erhielt eine dreiseitige zweigeschossige Empore und einen Kanzelaltar, eine Holzdecke über Langhaus und Chor wurde eingezogen.













Ausstattung

  • Romanischer TAUFSTEIN
  • GLOCKE von Hermann Herlin aus Jena (?) von 1450


Eine besonderes Erlebnis ist der altfränkische Lichtergottesdienst. Das wissen besonders diejenigen zu berichten, die eng mit dem geistlichen Leben des Kirchspiels verwurzelt sind. Er lehnt sich an die Tradition der alten Nacht- und Frühgottesdienste der Hochfeste im Kirchenjahr an. Für Leutra war es üblich, so rechtzeitig mit der Feier zu beginnen, dass zur Feier der Eucharistie die ersten Sonnenstrahlen durch das Elfpassfenster genau auf den Altartisch fielen. Da es bis auf den heutigen Tag keinen elektrischen Strom in dieser Kirche gibt, hat sich der Brauch erhalten, dass die Kirchenbesucher mit Kerze oder Stalllaterne zu diesem Anlass kommen. Während dieser Feier früh am ersten Weihnachtsfeiertag wird zuzüglich zu unserer gewohnten Lutherübersetzung des Weihnachtsevangeliums die Christi-Geburt-Geschichte aus dem Heiland, einer altsächsischen Dichtung in Stabreim vorgelesen. Sie ist eines der ältesten Zeugnisse deutscher Literatur überhaupt. Korrekt genommen müsste der Gottesdienst auch als altsächsisch bezeichnet werden, denn das damalige Klientel waren die zu missionierenden Sachsen in der Zeit Karls d. Großen. Klar war aber eindeutig, dass die Missionierung unter fränkischer Regie vorangetrieben wurde, leider mehr mit Waffengewalt als mit dem Wort Gottes. Es ist daher stark zu vermuten, dass die Verwendung des Altsächsischen im Gottesdienst mehr von der angelsächsischen Mission unter Wigbert und Bonifatius Unterstützung fand als das dies eine Idee der Franken allein gewesen wäre.

Text: Tilman Ludwig

Leutra Kirchturm