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Region Mitte-Nord » Kirche Zwätzen
Die erste überlieferte Erwähnung des Ortes Zwätzen findet sich in einer Urkunde vom 16. September 1182, ausgestellt in Dornburg. In ihr wird über den Verkauf von Ländereien in Zwätzen an der Saale, zwischen Jena und Dornburg gelegen, berichtet. Ludwig III., Landgraf von Thüringen, bestätigt darin, dass Werner von Monra dem Kloster Altenzelle bei Meißen von seinem Gut in dem unter landgräflicher Herrschaft stehenden und an der Saale zwischen Jena (Gene) und Dornburg (Thorenburch) in der Mitte gelegenen Dorfe Zwätzen (Cwezen), einen Hufe und 30 Acker Wald für 32 Mark überlässt.
Die Schreibweise des Ortes ist unterschiedlich überliefert, so aus der ersten Erwähnung 1182 als Cwecn villa. Diese Benennung verweist auf den slawischen Ursprung der Ortsgründung hin. In späterer Zeit lassen sich zahlreiche Variationen der Namensschreibung finden so unter anderem 1254 Zwecen, 1257 Zuecin. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts tauchen Namen wie Suezen, Swezen, Sweczen, Zuecen, Zueczen, Zwecen, Zwetzen, Zwezcen, Zwezzen, Czwecen, Czwezan, Czwezen, Zcwezcen, Zcwetzen, Zcwenczen auf. Es wird vermutet, dass der Ortsname Swecin von einem Kurznamen Sveca herzuleiten ist, der zu dem Personennamen Sventislav gehört und sich von Sventy = heilig ableitet.
Die Geschichte Zwätzens ist eng mit dem DEUTSCHRITTERORDEN verbunden. Die Ballei Thüringen des Deutschritterordens, von den ludowingischen Landgrafen Thüringens vor 1221 in Zwätzen gestiftet und reich mit Besitzungen in Thüringen und Hessen ausgestattet, bestand aus vier Komtureien: Zwätzen, Lehesten, Liebstedt und Regelstädt und war der Sitz der Landkomture der Ortsballei Thüringen bis zur Auflösung im Jahre 1809.
Einen ersten Nachweis für die Niederlassung des Deutschen Ritterordens in Zwätzen gibt eine Urkunde aus dem Jahr 1221. Darin werden als Zeugen auch einige Deutschordensbrüder aufgeführt, so unter anderem Hugo, sacerdos (Ordenspriester) von Zuezen.
Nach dem Aussterben der Ludowinger Landgrafen 1247 traten andere Gutsbesitzer auf, die der Ordensniederlassung weitere Ländereien übereigneten. Zu diesen sind unter anderem die Burggrafen von Kirchberg und die Herren von Gleisberg zu zählen. Die Burggrafen von Gleisberg verkauften aufgrund ihrer finanziellen Schwierigkeiten im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts dem Ordenshaus große Besitzungen. Aus einer Urkunde von 1293 ist zu erfahren, dass das Ordenshaus von Walter von Gleisberg (Glizberc) die Vogtei und das Gericht über Personen und Sachen in den Dörfern Zwätzen und Proschütz mit allem Rechte, das er darin hatte, und einige Holzungen bei Porstendorf für 18 Mark Silber für immer erwarb. So überkam der Ort Zwätzen immer mehr politisch wie auch wirtschaftlich in den Besitz des Deutschritterordens. Der Orden hatte somit weitestgehend die höhere und niedere Gerichtsbarkeit über den Ort inne, soweit er zuvor Besitz der Gleisberger Burgherren war. Ein Zeugnis von der hohen Gerichtsbarkeit des Ordens gibt der Galgenberg eine Richt- und Gerichtsstätte, nördlich von Zwätzen gelegen.
Weiterhin betrieb der Orden in Zwätzen seit 1298 eine Mühle, besaß ein Backhaus, ebenso hatte er das alleinige Recht der Schafhaltung inne. Er besaß die Gemeindeschänke (Anfänge um 1600), die spätere Weintraube, verfügte über die Vergabe von Gartenland und den Verkauf von Sämereien. Weitere Einnahmen für die Ordenskasse waren Erbzinsen, Ablass-, Opfer-, Mess-, Straf- und Bußgelder.
Seine Blütezeit erlebte der Deutschritterorden im 13. und 14. Jahrhundert. Ab der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts begann schließlich der Verfall, vorangetrieben durch Überschwemmungen und Missernten, aber auch durch Korruption, Verwahrlosung, sittliche Ausschweifungen, Verstöße gegen das Armuts- und Entsagungsgelübde der Ordensbrüder. Im Jahr 1367 nahm man erstmals eine größere Summe als Anleihe auf, um Gläubiger zufrieden zu stellen. 1429 wurde der Deutschordenshof an den Deutschmeister - dem Vorsteher aller deutschen Ordensballeien - verpfändet. Bei einer Visitation der Ballei Thüringen durch den Deutschmeister im Jahr 1431 wurde eine Gesamtverschuldung selbiger von 35.000 Gulden festgestellt. 1593 war Wilhelm von Sachsen zu einem Ausgleich bereit, der Orden wurde dem Hof Sachsen verpflichtet. Nach der Reformation traten die Brüder des Deutschritterordens zum Luthertum über. Die noch verbliebenen Besitzungen des Ordens waren nun der kursächsischen Oberhoheit unterstellt. 1806 nach dem Tod des letzten Komturs wurde die Zwätzener Komturei eingezogen und zählte zunächst zum Königreich Sachsen. Nach dem Wiener Kongress 1815 fiel das Gebiet an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.
Der Einfluss des Deutschritterordens ist neben seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutung auch eng mit der kirchliche Entwicklung verbunden.
In der Dorfkirche St. Marien - eine ursprünglich romanische Saalkirche mit einem querrechteckigem Chor und einer halbrunden Apsis - hielten die Ordensbrüder ihren Gottesdienst ab.
Die ältesten Bauteile der Saalkirche stammen aus dem 12. Jahrhundert, also aus einer Zeit, bevor sich der Deutschritterorden in Zwätzen ansiedelte. Zu den erhaltenen romanischen Bauteilen zählen das Turmerdgeschoss, zwei kleine Rundbogenfenster an der Nordseite, wovon eines - von außen sichtbar - die originale Fassung des Fensterrahmens besitzt und das südliche Eingangsportal, der ursprüngliche Zugang zur Kirche mit seinen Eisenbeschlägen - einer Rosette und ornamentales Gebilde - und den sorgfältig ausgehauenen Schachbrettfries am Türstock. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde das Kirchlein im gotischen Stil vergrößert und umgebaut.
Eine Erweiterung erfuhr die Kirche durch einen frühgotischer Anbau an der Südseite des Chores. Die romanische Choranlage wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts beseitigt, an deren Stelle errichtete man einen zweijochig polygonal endender Chor.
Mit dem Bau des spätgotischen Westturms auf quadratischem Grundriss wurde laut Inschrift im Turmerdgeschoss 1513 begonnen. Anno Dmi. XV.XIII inceptus est turris (Im Jahr des Herrn 1513 ist der Turm angefangen worden.) Die Fertigstellung des Turms mit Haube und Laterne ist jedoch erst für das Jahr 1597 belegt.
Weitere Bautätigkeiten wurden im 17. Jahrhundert vorgenommen, wobei das Gotteshaus sein heutiges Aussehen erhielt. Während dieser Zeit wurden das Kirchengebäude erhöht, die Rippengewölbe im Chor abgebrochen (Rippenbruchstücke sind noch erhalten) und an deren Stelle, wie auch im gesamten Kirchenschiff, setzte man eine Holztonne. Es erfolgte ein Umbau und eine Verbreiterung des Chores nach Süden, Raum für eine Loge der Statthalter des Deutschen Ritterordens. Die Jahreszahl 1674 über dem heutigen Haupteingang verweist auf diese baulichen Veränderungen.
Letzte Restaurierungsarbeiten fanden im Inneren 1985 bis 1993 statt. Dabei wurden auch Reste einer frühbarocken Raumfassung freigelegt.
Der Raumeindruck im Inneren der Kirche zeugt von großer Schlichtheit. Er wird durch die sich an drei Seiten des Kirchenschiffes erstreckende, zweigeschossige Empore - zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert - bestimmt.
Ausstattung
- Dreiflüglicher SCHNITZALTAR der thüringisch-sächsischen Schule, 1517 datiert

- Den Mittelschrein gliedert ein Kruzifix in zwei Felder. Zu beiden Seiten befinden sich in jeweils vier Zonen Relieffiguren mit Engeln, biblischen Gestalten, Heiligen und Kirchenvätern. In den Flügelinnenseiten stehen jeweils zwei Heilige.
- KANZELALTAR aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Möglicherweise von Zacharias Richter, er schuf zu Beginn der 1720er Jahre für mehrere Kirchen, die dem Deutschritterorden unterstanden, Kanzelaltäre (vgl. Nerkewitz und Neuengönna).
- Der Altar wird zu beiden Seiten von zwei großen Engelsfiguren flankiert, darüber befinden sich Medaillons mit
Kreuzemblemen des Deutschen Ritterordens und zu beiden Seiten je ein Wappen, links das sächsische und rechts ein Wappen
mit den Initialen des Stifters sowie das Monogramm des Statthalters Christian August von
Sachsen-Zeitz. Bekrönt wird der
Altar von einem Aufsatz, vor dem eine lebensgroße Christusstatue steht. Die Schnitzfiguren und Teile des Auszugs sind
wohl von einem in Jena wirkenden Bildhauer geschaffen worden.

- Zwei LOGENPROSPEKTE an der Nordseite des Chores - in der letzten Fassung mit den
Wappen der amtierenden Statthalter Carl Freiherr von Stein (1731 bis 1733) und Johann Moritz Graf von Brühl (1733 bis 1755), darunter ornamentale Brüstungsmalerei.

- Sie sind zeitgleich mit der Schaffung des Kanzelaltars in den Anfang des 18. Jahrhunderts zu datieren.
- Spätromanische HOLZPLASTIK der Christusfigur möglich aus dem 13. Jahrhundert
- TAUFSCHALE geschnitzt von einem Putto getragen, Ende 17. oder Anfang 18. Jahrhundert
- ORGEL mit Prospekt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts
- GLOCKE von Melchior Moeringk, Erfurt aus dem Jahr 1603
- GRABSTEINE und EPITAPHEN: drei Grabplatten mit den Wappen der Land- und Hauskomture des Deutschen Ritterordens aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts
- Kleine EPITAPHEN für die Ballei-Statthalter Bernhard von Anhalt (1591 bis 1596) und Heinrich Moritz von Berlepsch (1755 bis 1809) (letzter Stadthalter)
- Barockes GRABMAL mit Segmentgiebel für Anna Sophia von Treschow (gest. 1683)
- Klassizistisches URNENGRABMAL für Erdmuthe Henriette von Felgenhauer (gest. 1785)
- FAMILIENBILD des Pfarrers Johannes Kötschau (gest. 1692)